again. - nachhaltige Mode

Nachhaltig und sexy – die Zukunft unserer Mode

Gastbeitrag: Johannes Schramm von again.

*unbezahlte Werbung*

Ich freue mich auf die Zukunft. Zwar schreitet der Klimawandel voran und unsere Erde erwärmt sich immer stärker, trotzdem bin ich gespannt, welche Lösungen wir finden, um diese Entwicklung aufzuhalten. Unsere Wirtschaft muss sich weiterentwickeln und Innovationen auf den Markt bringen, die eine Veränderung bewirken.

Für die Modebranche gründe ich den concept-store again. in Leipzig.
again. verfolgt das Ziel unseren Modekonsum ganzheitlich nachhaltig zu gestalten. Wir vermieten angesagte, ökofair produzierte Kleidung und bauen somit die sharing economy aus und vertreten eine Zero Waste Philosophie.

Eins ist uns klar: der Modemarkt ist übersättigt und der Verkauf von konventionell produzierter Kleidung verstärkt Umwelt- und Sozialprobleme. Es wird nur möglich sein die Zukunft positiv zu gestalten, wenn sich zusehends mehr nachhaltige Angebote auf dem Markt etablieren.

Wie Modekonsum heute aussieht und welche Auswirkungen das hat

Schauen wir uns den Bereich Mode an. 60 neue Kleidungsstücke kauft jede/r Deutsche im Jahr.[1] Vier mal werden sie durchschnittlich getragen, 20 Prozent sogar nie.[2] Die Zahlen sind bedenklich, denn die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Produktion von Kleidung sind gravierend:

again. - vermietet nachhaltige Mode
© Birk Possecker
  • Die Herstellung von zehn Jeans benötigt 272kg CO2 und damit genau soviel wie ein Flug von Berlin nach München.[3] Die Treibhausgas-Emissionen der Textilproduktion sind höher, als die der Luft -und Schifffahrt zusammen.[4] Von 2011-2030 wächst dieser Ausstoß voraussichtlich um 60 Prozent.[5]
  • Die Modeindustrie verbraucht außerdem 10 Prozent des industriell genutzten Wassers weltweit.[6] Dieser Wert wird sich bis 2030 um 50 Prozent erhöhen.[7]
  • 5,7 Prozent aller Pestizide wurden 2014 in der Modeindustrie verbraucht.[8] Für den Anbau und die Produktion eines T-Shirts aus Baumwolle (200g) werden ca. 185g Chemikalien verwendet.[9]
  • Die tatsächlich gezahlten Löhne von Textilarbeiter*innen liegen oftmals unter dem Mindestlohn. Dabei deckt selbst dieser nicht einmal die Lebenshaltungskosten. In Bangladesch gilt ein Mindestlohn von 85€, der tatsächliche Lohn von Befragten lag bei 46€. Ein existenzsichernder Lohn würde 173€ betragen.[10]
  • Zwischen 2012-2017 starben mindestens 1601 Textilarbeiter*innen.[11] Ca. 1,4 Millionen Verletzungen gibt es in Fabriken pro Jahr.[12]
again. - vermietet nachhaltige Mode
© Birk Possecker

Mittlerweile existieren unzählige Dokumentarfilme, die die Produktion von Kleidung thematisieren. Sie alle erzählen eine Geschichte – die von Armut, Ungerechtigkeit, ökologischen Katastrophen. Dass Kleidung so schnell neu gekauft und gleichzeitig so selten getragen wird maximiert den Wahnsinn der sozial unverträglichen, ökologisch vernichtenden Produktion noch. Doch wer trägt dafür die Verantwortung? Können wir als Verbraucher etwas gegen Fast-Fashion tun? Oder werden schnelllebige Trends nur produziert um unsere Nachfrage nach billiger Kleidung zu bedienen?

Die Frage der Verantwortung – Unternehmen vs. Verbraucher

Das Bewusstsein um die Themen faire Löhne, gerechte Arbeitsbedingungen und den Klimawandel ist vorhanden. Der Kaufanteil von nachhaltiger Kleidung wird trotzdem nur auf 4-5 Prozent geschätzt.[13] Es scheint als ob lieber weiter billig und schnell neue Mode gekauft wird ohne auf die verheerenden Folgen zu achten. Oft sind die Orte der sozialen und ökologischen Katastrophen im Moment der Kaufentscheidung zu weit weg. Der Drang nach Neuem, das Verlangen nach kurzlebigen Trends und dem ständigen Sich-Neu-Erfinden lässt uns oft vergessen wofür wir unser Geld ausgeben. Jede*r von uns trifft im Moment des Kaufs eine aktive Entscheidung – für gerechte Löhne und eine ökologische Produktion oder für Armut und ökologische Schäden.  

again. - zero waste fashion
© Birk Possecker

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn auf der anderen Seite bietet uns die Fast-Fashion-Industrie ein völlig veraltetes Geschäftsmodell und trägt damit zu Umweltzerstörung, Ressourcenverschwendung und massiver sozialer Ungerechtigkeit bei. Während der Markt mit Kleidung übersättigt ist, werden immer schneller neue Trends erfunden und Kollektionen entworfen mit dem Ziel, noch mehr Kleidung zu verkaufen und den Umsatz zu steigern. Allein zwischen 2000-2015 hat sich die Bekleidungsproduktion auf 100 Milliarden Stück[14] mehr als verdoppelt.[15] Produziert und angeboten wird Kleidung so günstig, wie möglich – damit wir davon so viel, wie möglich kaufen können. Oftmals geht das einher mit ungerechten Löhnen, unsicheren Arbeitsbedingungen und ökologischen Schäden. Wir werden mit einem zutiefst unnachhaltigem Angebot konfrontiert. Und je mehr Kleidung wir kaufen, desto seltener können wir sie im Schnitt tragen. Die eingesetzten Ressourcen in der Produktion lohnen sich kaum. Außerdem findet ein vollständiges Recycling bei weniger als einem Prozent aller Kleidungsstücke statt und so entstehen riesige Mengen an Müll.[16] Die Modeindustrie muss endlich einen Weg finden diese negativen Folgen ihres Handelns zu bekämpfen. Das geht nur mit neuen innovativen Geschäftsmodellen, die unseren Konsum nachhaltig umgestalten.

Nachhaltige Mode – Was wir tun können

Wir alle sind also gefragt Mode nachhaltig und zukunftsfähig zu machen. Unser Drang nach schöner Kleidung und neuen Outfits ist aber im Moment kaum mit dem Angebot, dass die Modeindustrie uns bietet, zu vereinen. Wie können wir es also schaffen unsere liebsten Outfits zu tragen und bei Bedarf auch mal etwas Neues zu holen? Wie können wir unsere Individualität ausdrücken mit einzigartigen Styles und mit einem guten Gewissen?

Es gibt einige Möglichkeiten zu handeln. An erster Stelle steht der bewusste Umgang mit Kleidung. Wir müssen lernen zu verstehen, welche Arbeit in einem Kleidungsstück steckt und woher die Materialien stammen. Nur wenn wir die Hintergründe der Produktion kennen, können wir entscheiden, was wir wirklich kaufen wollen.

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© Birk Possecker

Stichwort kaufen. Kleidung neu zu kaufen darf allgemein stärker hinterfragt werden. Brauche ich wirklich den neuen Sweater? Kann ich mit meinen Freund*innen eine Kleidertauschparty veranstalten? Gibt es das Teil nicht auch second-hand? Kann ich es vielleicht sogar irgendwo mieten? Und wenn ein Neukauf nötig ist, dann das nächste mal lieber aus ökofairer Produktion.

Angebote für nachhaltige Mode nutzen – und fördern

Es ist zwar nicht immer leicht Kleidung nachhaltig zu konsumieren. Doch wir können unser Bewusstsein dafür schärfen. Im zweiten Schritt folgt dann die Wahl der Konsumform. Hier gibt es immer mehr nachhaltige Angebote. Vom Online-Shop Avocadostore über Stores wie Greenality und Loveco hin zu den Mietangeboten der Kleiderei, stay awhile und RE-NT hat sich viel getan. Es sind inzwischen unzählige Brands zu finden, die nicht nur fair und ökologisch nachhaltig produzieren, sondern auch unglaublich heiße Mode designen.

Wenn du also in Zukunft Lust auf etwas neues hast, dann schau mal nach, ob du das nicht auch nachhaltig bekommst. Damit setzt du ein Zeichen gegen Fast Fashion und förderst nachhaltige Angebote. Und garantiert wirst du dabei etwas Tolles finden.

Das Mietkonzept für nachhaltige Mode von again. – fair und innovativ

An Herz legen kann ich dir jedenfalls das Angebot von again. Hier bekommst du echte Highlights, kannst sie austauschen und dir Neues holen, wann immer du möchtest. Du musst deine Kleidung nicht mehr kaufen und trägst trotzdem immer das perfekte Outfit. again. ist dein großer, wunderschöner Kleiderschrank, der dir immer offen steht. Du teilst dir die Kleidung mit anderen Menschen. Das sorgt für eine Verlängerung der Lebensdauer der Kleidung und schont damit die Ressourcen der Umwelt. Und du kannst dir die schönsten Teile aussuchen und mit Herz und Stolz tragen solange du möchtest. Mit einem guten Gewissen, und dem Bewusstsein nachhaltigste*r Fashionista der Stadt zu sein. Das ist „the future of fashion“.

Wir brauchen in Zukunft mehr solcher Angebote – damit die Produktion von Kleidung endlich sozial und ökologisch gerecht abläuft. Ziel muss es sein, Kleidung so lange wie möglich zu tragen und damit weniger Müll zu produzieren. Langfristig ist es notwendig Kleidung in Kreisläufen zu halten und immer wieder zu recyceln. So werden die eingesetzten Ressourcen in der Produktion minimiert und ganz nebenbei entsteht im besten Fall: Zero Waste.


[1] McKinsey & Company (2016), Style that’s sustainable: A new fast- fashion formula. Von Nathalie Remy, Eveline Speelman, and Steven Swartz, October 2016
[2] Enorm Magazin, 02/2018, S. 83
[3] Christliche Initiative Romero, Fast Fashion, Teil 3: Die Folgen in Zahlen, (2019), Zugriff am 03.12.2019
[4] Ellen MacArthur Foundation, A new textiles economy: Redesigning fashion’s future, (2017), 3, Zugriff am 03.12.2019
[5] Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group, Pulse of the Fashion Industry, (2017), 10, Zugriff am 18.03.2019
[6] Schätzung und Berechnung von Common Objective in Bezug auf Daten von AQUASTAT 2010, Measuring Fashion‘s Ecological Footprint, (08. Juni 2018), Zugriff am 18.03.2019
[7] Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group (2017), op. cit.
[8] Common Objective, “Measuring Fashion‘s Ecological Footprint“, (08. Juni 2018), Zugriff am 18.03.2019, Basierend auf Pesticide Action Network UK, “Is Cotton Conquering its Chemical Addiction. A review of pesticide use in global cotton production.“ (Oktober 2017), Zugriff am 18.03.2019
[9] Christliche Initiative Romero (2019), op. cit.
[10] Christliche Initiative Romero (2019), op. cit.
[11] Christliche Initiative Romero (2019), op. cit.
[12] Common Objective, „Death, Injury and Health in the Fashion Industry”, (o. J.), Zugriff am 18.03.2019, Basierend auf Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group, „Pulse of the Fashion Industry“, (2017), Zugriff am 18.03.2019
[13] Deutschlandfunk Nova, Nachhaltige Mode: Anspruch und Kaufverhalten klaffen auseinander, (2019), Zugriff am 03.12.2019, .
[14] McKinsey & Company, (2016), op. cit.
[15] Greenpeace, Konsumkollaps durch Fast Fashion, (2017), Zugriff am 05.12.2019
[16] Ellen McArthur Foundation, (2017), op. cit.

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