Erste Zero Waste Stadt Deutschlands Kiel

Die erste Zero Waste Stadt Deutschlands – Kiel

Dass Deutschland in Sachen Zero Waste noch nicht so weit ist, wie andere EU-Mitgliedsstaaten, ist nichts Neues. Umso erfreulicher ist es, dass nun Kiel die erste Zero Waste Stadt Deutschlands werden soll. Wir haben uns ihr Konzept näher angeschaut und dir hier in diesem Artikel zusammengefasst.

Zero Waste Städte & Gemeinden in Europa

Bereits seit 2007 beschreitet die Gemeinde Capannori in Italien ihren Weg der Müllvermeidung und war damit Europas erste Zero Waste Gemeinde. 400 weitere Städte und Gemeinden haben sich seit dem dem Vorhaben langfristig keinen Müll mehr zu produzieren angeschlossen, welches durch Zero Waste Europe initiiert und unterstützt wird. Damit du eine Vorstellung davon bekommst, welche Erfolge die Städte bereits erzielen kommen, hier ein paar Zahlen für dich:

  • Ljubljana konnte seine Abfälle um 59% reduzieren
  • Treviso in Italien produzierte weniger als 75Kg Restmüll pro Kopf und Jahr

Aber kann auch Kiel das langfristig schaffen und vor allem wie will die Stadt das erreichen?

Kiels Zero Waste Konzept

Es ist eine tolle Aktion, denn Kiel hat sich als erste Stadt Deutschlands beim internationalen Netzwerk Zero Waste Europe registriert. Mit dieser Maßnahme schreibt die Stadt sich ein ganz klares Ziel auf die Fahne, nämlich die Vermeidung bzw. deutliche Reduktion von Abfällen. Doch durch welche weiteren Schritte, will die Stadt das umsetzen?

In seinem ausführlichen Zero Waste Konzept nennt die Stadt vor allem den konsequenten Ausbau der Abfallvermeidung, der Wiederverwendung sowie das hochwertige Recycling als angestrebte Zielbausteine. Auch die BürgerInnen sollen in die genaue Zielentwicklung mit einbezogen werden, schließlich tragen alle zum Gelingen des Konzeptes bei.
Aber nun mal Butter bei die Fische, was sind denn jetzt wirklich konkret umsetzbare Pläne, die sich die Stadt Kiel gemacht hat, um das Vorhaben die erste Zero Waste Stadt Deutschlands zu werden erfolgreich umzusetzen?

Umsetzungsmaßnahmen in der Verwaltung & Abfallsystemumstellung

  • Einführung von Pay-as-you-throw (PAYT) Konzepten
  • Anpassung der Abfallgebühren
  • Einführung von dezentralisierten Sammelstellen zur weiteren getrennten Sammlung ausgewählter Wertstoffe
  • Überprüfung zur Einführung von Pflicht-Biotonnen
  • Prüfung zur Einführung einer Wertstofftonne
  • Einführung einer kommunalen Verpackungssteuer
  • Entwicklung eines Zero Waste Guides für die öffentliche Beschaffung, als Vorbild für Unternehmen & Bildungseinrichtungen
  • Einwegverbot in allen städtischen Organisationseinheiten
  • Einwegverbot für Bewirtungen auf öffentlichen Grund
  • Digitalisierung zur Abfallvermeidung in der Verwaltung / papierloses Office
  • Förderprogramm für Zero Waste Initiativen
  • Teilnahme an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung

Geplante Zero Waste Maßnahmen für Kieler Haushalte

  • Einführung eines Windelservice (Wechsel- & Reinigungsservice für Mehrwegwindeln)
  • Zero Waste-Beratungsangebot für Kieler Haushalte
  • Zero Waste-Kulturhaus
  • Einführung einer Zero Waste-Card
  • Förderung von „Keine Werbung“-Aufklebern
  • Plattform für Leihen, Tauschen, Teilen, Reparieren

Geplante Zero Waste Maßnahmen für Kieler Bildungseinrichtungen

  • Becherpfandsystem für Heißgetränke in Bildungseinrichtungen
  • Abfallfreie Mensa
  • Mülltrennung in allen Klassenräumen
  • Förderprogramm und Etablierung von Zero Waste-Schulen
  • Entwicklung von Zero Waste-Schulmodulen
  • Zero Waste-Schulwettbewerb

Geplante Maßnahmenumsetzung für Kieler Gewerbe

  • Zero Waste-Straße
  • Beratungsgespräche vor Gebäudeabbrüchen
  • Selbstverpflichtung zur Nutzung wiederverwendbarer Transportverpackungen
  • Errichtung einer Bauteile- und Bodenbörse Kiel
  • Verpflichtender Rohstoff-Gebäudepass
  • Selbstverpflichtung zum Rezyklatanteil und zur Verwendung nachwachsender Rohstoffe in öffentlichen Gebäuden in Kiel
  • Beratungsangebot für Unternehmen speziell für industrielle Symbiosen
  • Zero Waste-Wettbewerb für Firmen

Geplante Zero Waste Maßnahmen für den Kieler Handel

  • Rabatte beim Mitbringen von eigenen Verpackungen
  • Selbstverpflichtung für Mehrwegquote im Kieler Handel
  • Förderung unverpackter, regionaler Lebensmittel
  • Mehrweglösungen in Drogeriemärkten
  • Stadtteilmärkte ohne Einwegverpackungen
  • Zero Waste-Label

Geplante Maßnahmen für Zero Waste Events

  • Verbot von Einwegprodukten auf allen Kieler Events
  • Verpflichtung von Foodsharing-Angeboten auf Events in Kiel
  • Zero Waste-Standard für Events in Kiel
  • Aufbau/ Ausbau von Verleihsystemen
  • Mülltrennung auf Events
  • Zero Waste-Picknick

Ab nach Kiel in die erste Zero Waste Stadt Deutschlands

Als ich mir das Zero Waste Konzept der Stadt Kiel durchgelesen habe, hatte ich tatsächlich sehr viele Aha-Momente und ich muss ehrlich sagen, dass meine Erwartungen übertroffen wurden, mit welcher Kreativität und offenbar auch Vehemenz Maßnahmen entwickelt worden sind, die sehr vielversprechend klingen. Sollten diese Vorhaben tatsächlich alle so umgesetzt werden, dann könnte es sich tatsächlich lohnen nach Kiel zu ziehen oder aber der ersten Zero Waste Stadt Deutschlands wenigstens mal einen Besuch abzustatten, um sich die eine oder andere Idee für die eigene Gemeinde oder Stadt mit nach Hause zu nehmen. Das vollständige Zero Waste Konzept der Stadt Kiel kannst du übrigens auf kiel.de nachlesen. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen, dass mit der Umsetzung langfristig alles gelingt und sind super gespannt, welche Fortschritte die Stadt Kiel in den nächsten Jahren erzielen wird.

Mit Zero Waste Geld Sparen – Teil 1

Als ich mich das erste Mal mit dem Thema Zero Waste beschäftigte, wusste ich nicht, dass man mit Zero Waste Geld sparen kann. Im Gegenteil, ich war besorgt, dass am Ende des Monats zu wenig Geld übrig sei und ich meinen Lebensstandard enorm einschränken müsste, damit ich Zero Waste leben kann. Dabei handelt es sich hierbei lediglich um ein weitverbreitetes Klischée, dass das Leben als Zero Wasteler teurer ist, wieso an dieser These nichts dran ist, lest ihr in unserem heutigen Artikel.

Wie genau und wodurch kann ich mit Zero Waste Geld sparen?

Der erste Schritt ist tatsächlich weniger Konsum.
Die zwei ersten Ansätze des Zero Waste Lebensstils sind refuse und reduce – auf gut Deutsch also ablehnen und reduzieren. Das bedeutet etwas pauschaler gesprochen, den eigenen Konsum (also, wie viel und was wir kaufen) zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

Unsere Gesellschaft lebt im Überfluss, dieser kommt allerdings nur zustande weil Menschen dafür in anderen Ländern schuften, leiden und oft auch sterben.
Dazu kommt noch, dass in vielen Produkten neben dem Leid von Tier und Mensch auch oft Fette, Konservierungsstoffe, Chemikalien und andere Stoffe enthalten sind, die unserem Körper langfristig schaden können. Oft sind diese vor allem in verpackten Produkten zu finden.

Die Konsumfalle: wir kaufen zu viel und zu oft

Durch Werbung, schöne Verpackungen, Preisnachlässe und Co. werden wir animiert immer mehr zu kaufen. Auch Gratisproben & Co. sind oft sinnlos und aufwändig verpackt und somit echte Müllschleudern.

Uns wird eingeredet, wir müssten Bedürfnisse erfüllen, von denen wir vorher nicht mal wussten. Hinter nahezu jedem tollen Angebot steckt ein Industriezweig, der sich vor allem um eines kümmert: seinen eigenen Profit. Und durch geschicktes Marketing, geben wir beim allwöchentlichen Einkauf dann eben gerne mal mehr aus, weil uns noch ein paar tolle neue Produkte ins Auge gesprungen sind.  

Man gönnt sich ja sonst nichts, richtig? Und das denken wir uns mehrere Dutzend Mal pro Monat.
Da kommt dann doch ziemlich schnell viel unnötiger Müll zusammen.

Der Konsumfalle entgehen und mit Zero Waste Geld sparen

Doch wir haben die Möglichkeit, all diese Produkte abzulehnen bzw. zu reduzieren, wenn wir uns selbst eine Strategie zurechtlegen. Beispielsweise indem wir lernen, Dinge selber zu machen, Zeit als hohen Wert zu betrachten und lieber tauschen oder gebraucht, anstatt etwas neu zu kaufen.

Wenn wir uns also entscheiden, wieder zu einer natürlicheren Lebensweise zurück zu kommen, kann jeder von uns einiges an Geld sparen. Wir wissen, dass es eine große Umstellung ist, gerade unser Konsumverhalten wird von klein auf extrem geprägt. Doch es ist nicht unmöglich und es macht auch Spaß, sich bewusst damit auseinanderzusetzen, wie man sich selbst zu einem gesünderen, müllärmeren UND nachhaltigeren Leben verhelfen kann.

Geh raus – deine Stadt ist essbar

Um uns herum wachsen immer eine Fülle an Lebensmitteln, die wir im Grunde einfach nur sehen und einsammeln müssen, um sie zu nutzen. Auch in Städten gibt es viele Pflanzen, die Früchte tragen, Pilze, Kräuter und Nüsse, die wir ernten können. Was du alles direkt in deiner Nähe finden kannst, erfährst du  bei Mundraub.org.

So kannst du dir sparen, teure und oftmals verpackte Lebensmittel mit Zauberwirkung zu kaufen, denn sie gibt es, in ähnlicher Form, schon direkt vor deiner Haustür.

Weniger/keine Tierprodukte & regional sowie saisonal Einkaufen

Am Essen soll man nicht sparen heißt es, und dem stimmen wir mit einer kleinen Einschränkung zu: Es ist auch möglich sich wirklich gut zu versorgen, und dennoch den Geldbeutel ein wenig zu schonen.

Auch beim wöchentlichen Einkauf kannst du Geld und Verpackungen sparen und zwar, indem du auf saisonale und regionale Produkte zurückgreifst. Diese werden oftmals unverpackt und auf Wochenmärkten angeboten. Durch den geringen Transportweg weisen sie auch relativ geringe CO2 Emissionen auf. Außerdem kannst du so regionale Bauern oder Unternehmen unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit weniger Müll zu produzieren und die Umwelt zu schonen ist, so viele pflanzliche, unbearbeitete Lebensmittel wie möglich zu essen. D.h. je weniger Fleisch, Milchprodukte und Eier wir essen, desto besser ist es für die Umwelt. Denn allein für z.B. ein Kilo Rindfleisch  werden ca 15.000 l Wasser benötigt und ca. 2,6 kg Futtermittel.  Auch im Preisvergleich ist hochwertiges Fleisch deutlich teurer, als dieselbe Menge an Obst/Gemüse, Getreide und Co.

Übrigens, wann welches Lebensmittel bei uns in Deutschland  Saison hat erfährst du durch sogenannte Saisonkalender. Dafür gibt es z.B. die kostenlose App „GrünZeit“.
So wird es super einfach für dich herauszufinden, welche Lebensmittel gerade besonders nachhaltig zu bekommen sind.

 

Viele weitere tolle Tipps, wie du mit Zero Waste Geld sparen kannst, findest du nächste Woche in unserem Teil 2 unserer Reihe „Mit Zero Waste Geld sparen“.

Photo: Maja Petric von Unsplash